Tagesfahrt nach Lolland

Rückblick auf die Tagesfahrt nach Lolland Juni 2017

Lolland und Fuglsang waren die Ziele unserer diesjährigen Tagesfahrt. Es ging dabei ausschließlich um Ziele auf der zweitgrößten Insel des Königreichs Dänemark, auf Lolland.

Ca. 8.00 Uhr verließen wir den ZOB, alle gut platziert im Schönherr Bus mit Herrn Reinhard als Fahrer. Pünktlich erreichten wir Puttgarten. Das Wetter war gut und wir genossen die Überfahrt nach Rødbyhavn. Auf Lolland verließen wir bald die Autobahn und gelangten nach Toreby am Guldborgsund. In Toreby befindet sich das Herrenhaus „Fuglsang“, umgeben von einem prächtigen Park im englischen Stil, der sich bis zum Guldborgsund erstreckt. Das Herrenhaus in seiner heutigen Gestalt stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es wurde im Renaissancestil errichtet. Vorgängerbauten existieren nicht mehr. Zur gleichen Zeit wurde auch der Park neu angelegt. Begünstigt durch das Klima auf Lolland konnten exotische Bäume gepflanzt werden, die sich prächtig entwickelten. Fuglsang heißt so viel wie Vogelgezwitscher und das konnten wir bestätigen: Beim Spaziergang durch den Park wurden wir begleitet von einem wahren Konzert der Vogelstimmen.


Mitten in diesem Naturparadies mit dem eindrucksvollen Herrenhaus leuchtet ein schneeweißes einstöckiges Gebäude in Kubus Architektur, das sich erstaunlich stimmig in die historische Landschaft fügt. Das Fuglsang Kunst Museum ist eines der ältesten Kunstmuseen mit ausschließlich dänischer Bildkunst von 1780—1980. Der Bau, gewissermaßen das Kleid des Museums, ist jedoch deutlich jüngerem Datums; alles barrierefrei mit weit  heruntergezogenen Fenstern.

Aber der Reihe nach: Im Restaurant dieses modernen Gebäudes war „Frokost“ für unsere Reisegesellschaft bereitet: Von „sild bis ost“ war alles auf liebevoll angerichteten Tellern vorbereitet. Nach dem „Frokost“ führte uns eine freundlich Kustodin durch die Kunstsammlung. Ein „Spagat“ schon, das Museumsgebäude in der historischen Parklandschaft, nun wiederum ein Spagat von Hammershøj bis Cobra und Carl Henning Pedersen sowie Jais Nielsen, nur um einige der dänischen Künstler zu nennen. Sehr eindrucksvoll war ein Verandaanbau mit drei Seiten Panoramafenstern – den Blick freigebend in die Landschaft. Sessel stehen zum Genießen und Entspannen bereit. Das ganze  Ensemble machte einen starker Eindruck!

Auf dem Weg zum nächsten Ziel – dem Dom zu Maribo – wurden wir gut vorbereitet. Königin Margarethe I. schenkte um 1400 dem Birgitinnenorden aus Vadstena (Schweden) ein großes Stück Land auf Lolland für den Bau einer Klosteranlage – dem Kloster von Maribo. Ein Kloster für Mönche und Nonnen, so wie es der Birgitinnenorden vorschreibt. So bekam die Klosterkirche zwei Chöre, einen Chor im Osten für die Mönche und einen Chor im Westen für die Nonnen. Die übrigen Klostereinrichtungen für die Mönche befanden sich auf der Südseite und die der Nonnen auf der Nordseite.

Wir kamen an und genossen zunächst das Ambiente der Anlage am Maribo See. Die Junisonne beschien gerade eine fröhliche Ausflugszenerie auf dem See. Kleine Boote, Ausflugsdampfer, Schwäne und Enten belebten den See.

Der Kirchhof mit einigen alten Grabmalen lag im Schatten alter Bäume. Auf der Ostseite fanden wir den Eingang in die im 15 Jahrhundert gebaute Klosterkirche. Wir wurden überrascht von einem lichtdurchfluteten sparsam ausgestatteten Hallenraum – in Übereinstimmung mit den Regeln des Birgittinnenordens: Alles unter einem Dach: drei Kirchenschiffe in gleicher Höhe. Wir bekamen Zeit uns den hellen Innenraum, die Gewölbe und die vorhandenen Kunstwerke anzusehen und zu bewundern.

Wir erfuhren, dass mit dem Kloster Maribo auch das Schicksal von Leonora Christina Ulfeld verbunden ist. Die Tochter Christian IV. geriet durch ihre Ehe mit Graf Corfitz Ulfeld in einen Verschwörung und wurde gefangengenommen. Sie saß 22 Jahre in Blåtårn in Kopenhagen. Erst als Christian V. König wurde, wurde sie begnadigt, und Christian V. wies Leonora Christina eine Wohnung im Kloster Maribo an und bewilligte ihr eine jährliche Rente.Das Kloster war im Zuge der Reformation säkularisiert worden. Leonore Christina entwickelte sich zur einer bedeutenden Schriftstellerin. Ihr  Buch „Jammers Minde“, das sie während ihrer Gefangenschaft in Blåtårn schrieb, wird noch heute verlegt. Sie starb 1698. Ein Grabmal im Dom erinnert an diese bedeutende Frau.

Ein kurzer Spaziergang durch das hübsche Städtchen mit den vielen Stockrosen an den Hauseingängen führte uns wieder zum Bus. Die versprochene Kaffeepause mit dem traditionellen „Sommerkuchen“ fand wegen der vorgerückten Stunde erst auf dem Parkplatz des Fähranlegers in Rødbyhavn statt. Der Blick auf den Fehmarnbelt gab es dann von der Fähre, die uns wohlbehalten und mit vielen neuen Eindrücken nach Puttgarten brachte.

Auf der Fahrt zum ZOB hörten wir nach alter Sitte ein Märchen von Hans Christian Andersen. Gelesen von Manfred Steffen „Das häßliche Entlein“. Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende. Esther Herbrechtsmeyer