Rückblick auf die Herbstreise nach Aarhus

Rückblick auf die Hertbstreise nach Aarhus
Pünktlich starteten wir vom ZOB

Gegen Mittag suchten Marietta Killinger und Reiner, unser Captain, einen geeigneten Platz für die inzwischen ersehnte Pause zum Verzehr der Butterbrote, die wir in Padburg bei Brugsen an Bord genommen hatten und den inzwischen aufgebrühten Kaffee. Der Vejle Fjord hat kleine Strände, einen davon erreichten wir nach kühnem Lenken des Busses auf schmalen Straßen. Welch herrlicher Anblick auf die weite Wasserfläche der Ostsee! Genuss pur.

Wir erreichen Aarhus pünktlich zur Rathausführung um 15:00 Uhr. Vor uns liegt, eingebettet in einer großzügigen Grünanlage mit schönen alten Bäumen, das inzwischen berühmte Rathaus, das Arne Jakobsen zusammen mit Erik Möller in den enddreißiger Jahren entworfen hat und für das er anfangs einiges an Kritik von den Bürgern hat einstecken müssen! Ein funktionalistischer Bau im Stil der Bauhausarchitektur entstand, zunächst ohne Turm geplant. All dies erfuhren wir von unserem Guide, Anne-Marie, die uns herzlich empfing und uns ihre eigene Begeisterung, besonders auch für das Interieur, zu vermitteln verstand. Der schlichte Betonbau ist vollständig mit norwegischem Marmor bekleidet. Der Turm ist 60 Meter hoch und wirkt sehr filigran, besonders abends, wenn er beleuchtet ist und dem gesamten Ensemble einen zauberhaften Glanz verleiht. Das Rathaus nimmt eine Fläche von 19 380 m2 ein. Es wurde 1994 unter Denkmalschutz gestellt.

Wir standen jetzt im Rathaus in einem großen mit Glas überdachtem Lichthof.
Mooreiche zum Fischgrätenparkett verarbeitet bedeckt die Bodenflächen, helle, goldschimmernde Birkenholzstäbchen dienen als Wandbekleidung und typische Arne Jensen Lampen sind großzügig gehängt, und kleine Leuchten in Tropfenform aus einem milchigen Glas zieren die Wände. Ein lichtes Treppenhaus weist eine Treppenanlage über 5 Stockwerke auf mit breiten, nicht zu hohen Stufen. Treppengeländer aus Messing ziehen sich durch das ganze Gebäude – und werden täglich geputzt! Original aus den 40iger Jahren sind 3 Aufzüge mit Kabinen aus Holz. Auch wird uns der Hochzeitsaal gezeigt, der eine Wandbemalung aus farbenprächtigen Wiesenblumen aufweist und sehr leicht und  schwebend wirkt. Der Sitzungssaal des Stadtparlaments ist mit edlen Möbeln von Jacobsen ausgestattet und die Stühle sind mit hellem Schweinsleder bezogen. Schwebende Lampen und ein eigens für den Raum gewebter Teppich mit dem Stadtplan von Aarhus runden den Eindruck ab. Die Boisereien der Wände verleihen dem Raum eine gediegene und würdige Atmosphäre.

Wir fahren mit dem Fahrstuhl in die Höhe und erleben so den Lichthof von der Galerie aus. Danach verabschieden uns von dem Guide mit dem Gefühl, etwas Großartiges erlebt zu haben. Nun ging es zum Dom, der St. Clemens Kirche. Schon während der Busfahrt nach Aarhus hatte Frau Killinger uns die Geschichte der ehrwürdigen Kirche erzählt. 1201  wurde die erste Kirche im romanischen Stil gebaut. Die Kirche lag nicht so dicht am Hafen, wie die Wikinger es gern hätten und so wurde eine neue im gotischen Stil dort gebaut,  wo sie jetzt steht. Später bekam der Turm einen Helm und das Dach eine Eindeckung aus Kupfer. In heutiger Zeit wurde der weiträumige Platz südlich des Domes, das „Bispetorv“,  großzügig umgestaltet, nur Fußgängern und Fahrradfahren zugängig.

Vor der Kirche wurden wir von einer Küsterin begrüßt, die uns durch den Dom führte und uns auf die Schätze in der Kirche aufmerksam machte. Dazu gehörte in erster Linie der berühmte Altarschrein von Bernd Notke, aber auch verschiedene Kalkmalereiern wie das großartige Fegefeuerfresko und das von St. Clemens, dem Namensgeber des Doms sowie  einige kleinere im Chorbogen. Ein wenig ermüdet gelangten wir in unser bequemes Hotel, das „Best Western“ nahe dem Hauptbahnhof. Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt liegt „Raadhuskaffeen, wo wir ein köstliches Abendessen serviert bekamen.

Der nächste Tag sah uns frisch und vom Frühstücksbuffet gut versorgt im Bus auf dem Weg zu „Den Gamle By“, ein „Muss“ für Aarhusfreunde. „Den Gamle By“ ist nicht nur ein Museum für frühere Wohnansiedlungen mit Häusern und Straßen mit Kopfsteinpflaster, es erfüllt auch soziale Aufgaben. Menschen werden in Räume eingeladen, die im Stil ihrer Kinder und Jugendjahre eingerichtet sind und dadurch Erinnerungen wecken, und Freude und Teilnahme hervorrufen. Wir erfreuten uns an Gegenständen, die längst nicht mehr zu unserem Alltag gehören: ein altes Grammophon mit Trichter, bestickte Sofakissen, ein „Knallert“ in einer alten Werkstätte, um einiges zu erwähnen. Pünktlich um 12:30 Uhr geht es zum Restaurant „Egaa Marina“. Auf dem Weg dorthin sehen wir die neue „Letbane“ auf ihrer Testfahrt. Aarhus bekommt nämlich ein neues Verkehrsmittel, eine ultramoderne Straßenbahn.
„Jeg er ny i trafikken“ steht in großen Lettern an den Seitenflächen. Ein Logo, das Erstklässler umgehängt bekommen. Das Restaurant „Egaa Marina“ verwöhnte uns mit dänischem „Frokost“. Wir freuten uns über leverpostej, fläskesteg med rödkaal und vielen anderen leckeren Speisen. In der Stadt zurückgekehrt bestieg ein Cityguide den Bus und präsentierte
uns in den nächsten 2 Stunden das moderne Aarhus. Man staunt: der alte Handelshafen im Osten wich der „Aarhus Ö“, einer modernen Hafencity mit Avantgarde-Architektur. Wir erfuhren, dass Wohnraum benötigt wird, weil Aarhus viele Menschen wegen seiner modernen Industrie anlockt. Wir hörten, dass ca. 500 Neubürger im Monat kommen.

Wo ist der Handelshafen geblieben? Da die Aarhusbucht durch die Wassertiefe und den Strömungsverhältnissen gute Möglichkeiten bietet, hat man den Hafen in die Bucht hinein gebaut mit großen Containeranlagen und alles was dazu gehört. Dort legen Containerschiffe von erheblicher Größe an, sowie große Kreuzfahrtschiffe und sonstige Handelsschiffe. Der Hafen von Aarhus misst an die 350 ha. Die Containerbrücken gehören zu den leistungsfähigsten in Europa. Aarhus hat sich zur wichtigsten Hafenstadt Dänemarks entwickelt.
Wir fahren durch das Universitätsgelände. Die Institute verteilen sich auf ein großes parkähnliches Areal, herrliche Bäume geben dem hügeligen Gelände ein freundliches Gesicht.
Aarhus ist eine begehrte Studienstadt. Zurück in der Innenstadt machen wir eine Stippvisite ins „Aarhus musikhus“, ein Veranstaltungsort für Oper, Sinfoniekonzerte und für Volkstümliches. Gleich gegenüber befindet sich das ARoS, der wenige Jahre alte 6-stöckige Museumsbau mit der markanten Regenbogenetage als Abschluss und die modernen Gebäude von Skandinaviens Congresscentrum. Diese lebendige Kunstmeile liegt wenige Minuten von unserem Hotel entfernt. Es bleibt Zeit für eine Ruhepause, bevor wir erneut zum „Raadhuskaffeen“ zum Abendessen pilgern.

Für den Abschiedsabend ist eine Fahrt zum Moesgaard Strand geplant. Mit Blick auf Wasser, Sternenhimmel und eine ins Wasser hinein gebaute unendliche Brücke soll ein Glas Wein die zwei ereignisreichen Tage beschließen. Nur- das Wetter hat sich verschlechtert, ein Wind ist aufgekommen. Dies allein hätte das Vorhaben jedoch nicht beeinträchtigt – da kennt man Frau Killinger schlecht! – nur der Bus ist zu hoch für die Holzbrücke, unter die wir hätten fahren müssen. Es ging um 15 cm! Wir fanden einen anderen geschützten Platz und zwischen einer Haltestelle und einer Mauer haben wir den Wein und die Käsewürfel genossen. Der Heimreisetag bescherte uns eine Überraschung, zugleich ein Geschenk von Frau Killinger anlässlich der 50. Reise des DDV unter ihrer Regie. Auch das Wetter spielte mit, als wir uns auf den Weg machten zum Städtchen „Gammel Rye“ Dort waren wir zu einem Museumsbesuch in der landschaftlich so schön auf einem Hügel gelegenen alten Getreidemühle angemeldet. Was gab es dort zu sehen? Dazu ein wenig Geschichte.

Gl.Rye liegt zwischen Silkeborg und Skanderborg. Wir befinden uns auf der jütländischen Seenplatte, einer Hochebene, die uns sogar Höhen von 170 m über dem Meeresspiegel beschert. Diese wald- und wasserreiche Hochfläche bot dem mächtigen Klerus im Mittelalter wunderbare Siedlungsmöglichkeiten für Klöster, die das Gebiet wirtschaftlich und kulturell entwickelten. Zwei Ströme, Gudenaaen Richtung Osten und Skjern Aa Richtung Westen, ermöglichten den Betrieb von Mühlen und dienten als Transportwege für die landwirtschaftlichen Produkte. Die Legende erzählt von einem Heiligen Sören, später Bischof von Köln, der Wunderwerke an einer Quelle im Wald verübt haben soll. So entwickelte sich Rye zum Handelsplatz, Marktplatz und einem Wallfahrtsort. Mit der Zeit entwickelte sich in Rye ein neuer Wirtschaftszweig: Holz war in den Wäldern genügend vorhanden und der Bedarf ist groß. U.a. fing man an Holzschuhe herzustellen. Ein begabter Kaufmann zog mit den Holzschuhen einen florierenden Handel auf. Später kam mit dem Bau der Eisenbahn dann der Aufschwung. Der Handel mit Holzschuhen erstreckt sich jetzt weit über die Region hinaus. Wir besuchen nun die Mühle von Gl. Rye, herrlich gelegen auf einem Hügel, beschienen von strahlendem Sonnenschein. Das Museum beherbergt eine Werkstatt für Holzpantinen und ein Sägewerk, alles sehr liebevoll präsentiert. Und eine Gedenkausstellung besonderer Art. Es wird erinnert an ein Flüchtlingslager, das der dänische Staat für deutsche Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten Ende des 2. Weltkrieges 1945 auf dem verwaisten Flughafengelände südlich von Rye errichtet hatte. Der Flughafen, den Dänemark in den 30iger Jahren gebaut hat, wurde von der deutschen Wehrmacht requiriert und diente fortan militärischen Zwecken. Dieses Gelände wurde später umfunktioniert zu einem Flüchtlingslager.

Unter den Flüchtlingen waren 2 Kunstmaler. Die bekamen die Erlaubnis, das Lager zu verlassen, um in der Natur zu malen. Diese Gemälde wurden gegen Naturalien an die Bewohner der Gegend verkauft. Im Museum sind einige dieser Gemälde und viele Fotos zu sehen, die an die ca. 3 Jahre des Aufenthalts der geflüchteten Menschen erinnern.Durch die herrliche Landschaft fuhren wir auf Nebenwegen nach Kolding. In der Marina wartete eine reich gedeckte Frokosttafel auf uns. Das Königreich verabschiedete uns mit Sonnenschein. Kulturgesättigt ging es zurück in die Heimat, begleitet von Andersens „Das hässliche Entlein“. Es war eine gelungene Reise, für die wir von ganzem Herzen danken.
Esther Herbrectsmeyer